Bachatakurs mit Victor und CristinaIch hätte nie vermutet, dass meine Gedanken zu Tanzkursen , Tanzlehrern, Kurskonzepten usw. so viel gelesen werden. Zugegeben, alle von uns haben zumindest am Anfang ihrer tänzerischen Karriere  ein paar Kurse belegt, viele machen es sogar regelmäßig immer mal wieder. Es ist also ein Thema, was uns alle immer begleiten wird.

Aus den Kommentaren bei Facebook zu meinen ersten beiden Artikeln habe ich auch gelesen, dass nicht alle Erfahrungen immer gut sind, aber auch nur sehr selten eine Erfahrung durchweg schlecht war. Vermutlich gibt es immer Optimierungsbedarf und natürlich kann auch nicht jeder Workshop für alle Teilnehmer 100% passgenau sein. Es gilt, wie bei so vielen Dingen im Leben, Geduld zu haben, aber auch gerne mal konstruktive Kritik (in beide Richtungen) zu üben. Danke auf jeden Fall für alle konstruktiven Beiträge!

Das Thema dieses Artikels ist allen in kleineren Szenen sehr gut bekannt und hilft vielleicht auch den Tänzern, die in großen Städten leben, ein wenig Verständnis für die zu haben, die in ihrer kleinen Szene vielleicht unter dominanten "Lokalfürsten" leiden :-)

 

Die Lage in kleinen Szenen

In kleinen Städten eine Szene aufzubauen ist mühsam, man muss durch Tanzkurse vielleicht genügend Menschen in mehreren Monaten das Tanzen näher bringen und vielleicht so auch eine kleine Party etablieren. Diese bleibt aber nur dann erfolgreich, wenn der Inhaber des Clubs auch dabei genügend Geld verdient und die Szene nach Möglichkeit langfristig bestehen bleibt und auch die Tänzer aktiv bleiben. Eine "kritsche Masse", also eine Mindestanzahl an Tänzerinnen und Tänzern darf dabei nicht unterschritten werden.
Dabei geht und ging in kleinen Städten die Initiative zuerst immer nur von wenigen aus.

Natürlich ist dies immer positiv. Viel Engagement, Zeit und Geduld braucht man für alle neuen Dinge! In vielen mittelgroßen Städten ist dieser Vorgang schon vor Jahrzehnten geschehen und sie haben heute eine kleine eigene Salsaszene.

Kommen wir zu den Menschen, die alles organisieren und lenken: In großen Städten haben oft nur ein bis zwei Handvoll von Leuten das Tanz-„Monopol“ in ihrer Stadt. Von diesen oft sehr engagierten Leuten geht die ganze Initiative aus. Sie organisieren die Partys, sind vielleicht auch DJ, kümmern sich um den Nachwuchs und geben oft auch die Tanzkurse.

In Kleinstädten sind es viel weniger Engagierte, oft sogar nur eine dominierende Person oder ein Tanzlehrerpärchen. Eine Konsequenz für Tänzer dieser kleineren Szenen ist, dass alles oft vom Engagement weniger Menschen leben! Das ist eine große Verantwortung für Einzelene.

So schön es ist, das sich hier Leute für eine Sache engagieren, so kann es doch auch mal ein Nachteil sein. Dieser Nachteil, der besonders in kleineren Szenen deutlich wird, liegt in dem enormen Einfluss, der Verantwortung und der vergleichsweise großen Macht über eine Szene, die vielleicht von einer Person gar nicht allein dauerhaft geschultert werden kann!

Bachatakurs mit Victor und Cristina

Denn, was man beachten muss ist, dass in kleinen Szenen dann oft nur ein oder zwei Personen die große Verantwortung für die weitere Entwicklung ihrer Szene haben! Sie sind z.B. die einzige Referenz für alle neuen Tänzer und bestimmen als Einzige die Marschrichtung! Was ist, wenn sie wegen Krankheit längere Zeit ausfallen, wenn sie die Lust verlieren und nur noch halbherzig dabei sind oder was passiert, wenn sie durch ihre Macht versuchen jede Initiative anderer zunichte machen und so ein kreativer Stillstand sich einschleicht und Neulingen damit der Zugang versperrt wird?

Im schlimmsten Fall, wenn Tanzlehrer in Kleinstädten selbst den Anschluss an aktuelle Strömungen im Salsa oder Bachata verloren haben, kaum noch neue Bewegungsabläufe lernen, keine Auftritte mehr haben (nicht einmal lokal, in der eigenen Region), selbst kaum stylen oder im Extremfall sogar schlecht ausgebildet sind? Dies ist dann eine schwere "Hypothek" für die ganze Salsa- und Tanzszene der Stadt.

Ich höre heute noch manchmal den Unsinn in meiner Stadt, dass Frauen ja eigentlich gar keine Kurse machen müssen, da ja der Mann führt und er schuld ist, wenn die Frau nicht gut tanzt. Das geht auf provinzielle Tanzkurse aus einer Zeit vor der Jahrtausendwende zurück und hat sich bei einigen so in Erinnerung gehalten. Traurig!

Dazu kommt, dass eigene Unzulänglichkeiten dieser lokal "prominenten" Personen vielleicht sogar verbal geschickt gerechtfertigt werden, so dass damit dann oft sehr viele Tänzer beeinflusst werden ("das muss so sein", "das ist ein besonderer Stil für Profis", "das macht tanzt man nur, um sich zu profilieren", "zu Kongressen würde ich nicht gehen, das ist Massenabfertigung, zu schwer" etc...). 
Gerade ein Anfänger hat kaum die Chance, die Hintergründe dieser Rechtfertigungen zu durchblicken.

Das ist jetzt natürlich ein konstruiertes Horrorszenario, welches in so reiner Form (hoffentlich) nirgends auftritt.
 

Bachatakurs mit Victor und CristinaBachatakurs in Frankfurt mit Cristina und Victor

Fazit:

Also zusammengefasst ist das Engagement einzelner in einer Stadt immer positiv zu sehen, aber die Nachteile (bei nur wenigen Verantwortlichen) können sehr groß werden, wenn eine Szene jahrelang im "eigenen Saft" kocht und sich so seltsame Besonderheiten und lokale Stile herausbilden. Da hilft nur Konkurrenz und auch der Willen der Tänzer, Workshops in größeren Städten zu besuchen.
Meine größte Bitte jedoch ist immer, andere Schulen und Kursleiter nicht nur ausschließlich als Konkurrenz zu sehen. Sorgt für Nachwuchs auch bei den DJs, Tanzlehrern und Organisatoren. Arbeitet zusammen! Davon profitiert eine ganze Salsaszene und entlastet ja auch die Hauptverantwortlichen, die so nicht alles auf ihren Schultern tragen müssen.

Natürlich ist das nicht jedem Tanzlehrer genehm, wenn andere Tanzlehrer in "seinen" Markt aktiv werden. Es geht schließlich auch um Einnahmen. Allerdings bringt das "Verteidigen" gegen Konkurrenz nur etwas, wenn auch die Qualität stimmt. Ein guter Lehrer / DJ hat wenig zu befürchten (abgesehen macht die Abwechslung die Szene für alle spannender, so dass die Tänzer auch länger Interesse an der eigenen Szene haben).

Generell gilt: Konkurrenz ist sehr wichtig und hält das gesamte Niveau höher, wovon dann alle profitieren! Die Szene wächst dadurch!

 

 

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