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Afrocuban Rumba Mit Rumba kann man seinen Tanzstil enorm bereichern. Doch Rumba ist mehr als nur ein neuer Soloschritt. Das Wort taucht in vielen Stücken auf, ebenso das Wort "Guaguancó". Viele wissen dabei gar nicht so genau, wie sich diese Tänze von Salsa auf Linie oder Cuban-Salsa unterscheiden. Dabei ist die von guten Salsatänzern getanzte afrokubanische Rumba ein variantenreicher und komplexer Tanz, der viel mit dem Lebensgefühl der damaligen schwarzen Sklaven Kubas zu tun hat. Ein guter Rumbero macht auf jeden Fall Eindruck auf der Tanzfläche.

Aber gibt es nicht auch in Deutschland eine Tanzschul-Rumba? Richtig, das ist aber ein ganz anderer Tanz, der außer dem Namen nichts gemeinsam mit der afrokubanischen Rumba hat! Und um mit dieser Konfusion mal aufzuräumen, habe ich diesen Artikel geschrieben. Viel Spaß beim Lesen und mittanzen.

Maykel Fonts - Workshop Rumba Maykel Fonts 

Von Tänzern, die noch nicht so tief in die Hintergründe unseres geliebten Salsa und der lateinamerikanischen Tänze eingestiegen sind, findet gelegentlich auch eine Verwechslung mit Timba oder gar Mambo statt. Dieser Artikel versucht mal ein wenig die Begriffe zu klären und ein wenig historischen Hintergrund hinein zubringen. Timba und Mambo werde ich in einem zukünftigem Artikel erklären.

Begriffstrennung - was ist eine Rumba?

Unter dem Begriff Rumba gibt es verschiedene Dinge und Tänze, die damit bezeichnet werden. In Südamerika (v.a. in Kolumbien und Venezuela) ist damit eine feierliche (abendliche) Zusammenkunft gemeint. "Vamos de Rumba" ist die Verabredung, zu einem geselligen Abend mit Musik. Redet man hingegen vom Tanz "Rumba", so wird die Begriffsklärung vor allem in Europa schnell unübersichtlich. In Deutschland meint man damit oft den lateinamerikanischen Gesellschaftstanz, also die Turniervariante. Zur perfekten Verwirrung, gibt es auch noch davon zwei verschiedene Stile/ Schulen. Auf die standardisierten Gesellschaftstänze möchte ich in meinem Blog nur kurz eingehen, da sie für die Salsa- und Latinoszene kaum Bedeutung haben und ich auch zu wenig darüber weiß.

 

Grob gesagt, gibt es folgende Unterscheidung der Rumba:

  • Die afrokubanische Rumba in ihren drei Unterformen, als Musik dienen oft nur Trommeln. Sie wird ohne Kontakt bzw. alleine getanzt.
  • Rumba als lateinamerikanischer Gesellschafts- und Turniertanz, der als Paar getanzt wird (2 Stile)
  • die Rumba-Flamenca eine Form des Palo-Flamenco (die bekannteste Unterform ist die Buleria)

 

1. Die Afrokubanische Rumba

Rumba bedeutet im Zusammenhang mit Kuba und den lateinamerikanischen Tänzen in erster Linie die afrokubanische Rumba! Die Ursprünge sind heute kaum noch exakt zu rekonstruieren. Mit den afrikanischen Sklaven kam auch deren rhythmische Musik nach Kuba. Bei jedem geselligem Treffen (der Rumba) wurde getrommelt und getanzt. Dabei wurden wurden anfangs verschiedene westafrikanische Religionen mit integriert, so dass die kubanische Religion der Orishas (vereinfacht: eine Reihe verschiedener Götter, welche für bestimme Lebensbereiche verantwortlich sind) sich unter den Afrokubanern verbreitete. Es kam aber bald zu einer Trennung von Rumba und Religion. Diese Religion gibt es heute noch auf Kuba und angrenzenden lateinamerikanischen Ländern. Sie wird oft auch Santería genannt.

Rumba cubanaAus diesem komplexen Gemisch der unterschiedlichsten afrikanischen Rhythmen, aus Tanz, dem Gesang und der Percussion entstand nach und nach im 19. Jahrhundert auf Kuba (vor allem in Havanna und Matanzas) die afrokubanische Rumba. Sie war in den ersten Jahrzehnten ein Symbol der schwarzen Bevölkerung Kubas. Obwohl in der frühen Zeit in afrikanischen Sprachen gesungen wurde, kam doch irgendwann der Wechsel ins Spanische, so dass alle Schwarzen (die ja zum Teil aus sehr unterschiedlichen Gebieten Afrikas nach Kuba kamen) es verstehen konnten. Der Identifikation tat das keinen Abbruch.
Gesungen wurde über alltägliches, Liebe, Verrat und vor allem von den Yoruba über Religion und Götter (z.B. Changó, dem bekanntesten Orisha).
Hier ein Beispiel für eine Rumba: Yoruba Andado - La Gozadera.

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts kam von den spanischen Eroberern auch der Einfluss der Rumba-Flamenca hinzu. Flamenco ist ebenfalls ein komplexer Volkstanz und auch hier wurde spanisch gesungen.
Der afrokubanische Rumba-Perkussionist Mongo Santamaría entwickelte ungefähr zur gleichen Zeit den Guagancó, die heute bekannteste Form der afrokubanischen Rumba, indem er versuchte, so wie im Flamenco mit seinen starken Harmoniesprüngen und ungewohnten (nordafrikanisch-arabischen) Kadenzen zu singen. Die allerersten Guaguancós wurden auch noch als "Guaguancó del tiempo de España" notiert.
Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fand aber dann eine Aufspaltung statt, die religiösen Elemente verschwanden aus der afrokubanischen Rumba!

Durch diese Abspaltung kam es zu einer (beinahe konservativen) Rückbesinnung auf die ursprünglichen afrikanischen Tänze. So entstanden die afrikanisch-kubanischen"Afro-Orishas", oft auch kruz "Afro" genannt. Wer Maykel Fonts mal live erlebt hat, weiß um diese Auftrennung und wie reich die Afro-Orishas an Bewegungen sind (siehe Videos unten von Maykel Fonts). Maykel ist Meister in beiden Tänzen. "Afro" sollte heute nicht mehr mit Rumba verwechselt werden, beide Tänze haben sich sehr unterschiedlich entwickelt.

Noch ein Satz zu den verwendeten Instrumenten: Rumba verwendet mehre Arten von Trommeln, die Basis des Rhythmus ist aber die Son-Clave (die "Clave" wurde vermutlich ursprünglich zum Spleissen von Tauen benutzt). Im Afro und den Orishas taucht die Clave nicht auf! Stattdesen wird auf geweihten bzw. heiligen Bata-Trommeln der Santeria getrommelt. Hier noch ein Musikbeispiel.

Heute kennt man drei traditionelle Genres der afrokubanischen Rumba, die sich im Tempo, der verwendeten Clave und dem Tanz deutlich unterscheiden:

  • Yambú: Als Rhythmus dient der Son-Clave. Yambú ist die  älteste Form der Rumba und zeichnet sich durch Sparsamkeit in den Bewegungen aus ("En el yambú no se vacuna!"). Der Tanz imitiert auch gelegentlich wie alte Menschen tanzen.
  • Guaguancó: die heute populärste Form der afrokubanischen Rumba, sieht nicht nur gut aus, sondern sie hat auch eine Menge zu erzählen! Mann und Frau können zusammen tanzen, berühren sich jedoch nicht. Im ursprünglichen Guaguancó imitieren Mann und Frau "Hahn und Henne". Die typische Armbewegung (Colomba) mit ausgestreckten Ellenbogen erinnert an das Flügelschlagen des Geflügels. Dabei ist das Ziel des Tanzen, die Frau zu beeindrucken und sie zum Geschlechtsakt aufzufordern. Dabei macht der Mann durch Flügelschlagen, seine Hände und seine Hüfte gelegentlich Bewegungen in Richtung des Geschlechtsteils der Frau ("vacunao" bzw. "vacunar", was soviel wie "impfen" bedeutet). Die Frau wehrt das tänzerisch ab, indem sie eine Hand, den Rock oder ein Tuch davor hält oder sich abwendet und sich so "schützt". Findet sie den Mann attraktiv und ist mit seinem Werben einverstanden, so "schützt" sie sich nicht mehr. Das ganze darf also auch gerne Mal als spielerischer Umgang und tänzerisches Flirten verstanden werden. Hier ein Tanzbeispiel.
  • Columbia: Diese Variante wird im 6/8-Takt getanzt. Die Clave ist entsprechend verändert. Sie wird meist nur von Männern getanzt, die als Solotänzer mit dem Spieler "Quinto" in Dialog tritt. Der Tanz ist schnell und akrobatischer als die beiden anderen. Der Mann demonstriert seine Stärke und Geschicklichkeit. Außerdem findet man Einflüsse aus anderen Tänzen, z.B. der Abakuá.

Wie tanzt man heute Rumba?

Dieser 11 minütige Film zeigt sehr schön wie man auf Kuba Yambú (am Anfang) und Guaguancó (z.B. beim Reiskochen) tanzt. Auch das "Vacunao" wird am Ende erklärt.
Vermutlich denkt jetzt jeder Laie, dass man auf einem kubanischem Privatfest sein muss, um eine Rumba zu tanzen. ;-)
Doch weit gefehlt, denn es gibt sehr schöne Möglichkeiten Rumba in den Salsa zu integrieren. Gute Tänzer unterbrechen ihren Paartanz gerne, um mit Shines und Soloschritten, z.B. während eines Percussion-Solos , ihre Frau loszulassen und alleine zu tanzen. Dann bieten sich die klassischen Shines oder eben eine Rumba an. Besonders bei der cubanischen Salsa sieht man die guten Tänzer vacunando :-)
Rumba findet man also im Socialdance als Stilmittel und um den Tanz selbst zu genießen. Rumba ist das Salz im Salsa.
In den Videos gibt es Beispiele dazu.


Rumba-Beispiele (auch zum Lernen!):

Wer es mal versuchen möchte und keinen Workshop in der Nähe dazu findet, hat hier ein paar gute Videos von Maykel Fonts und Full Project, den Schülern von Maykel. Stellt Euch mal vor den Monitor und tanzt mit, das macht wirklich Spaß!


Weitere Informationen:
siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrokubanische_Rumba
https://de.wikipedia.org/wiki/Santería
https://de.wikipedia.org/wiki/Timba_(Musikstil)
https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanischer_Tanz#Orisha-Tänze

 

2. Standadisierte Turnier- und Tanzschulrumba (Salontänze):

Diese Rumba hat eine andere Herkunft und nichts mit der afrokubanischen Rumba gemeinsam. Man unterscheidet bei dieser Rumba zwei Typen, eine französische und eine englische Variante. Entstanden sind sie aus der "Habanera". Einflüsse waren die argentinische Milonga (siehe Tango) und der kubanische Bolero. Schon 1096 gab es Tonaufnahmen, die unter dem Namen "Rumba" vermarktet wurden. Der Begriff etablierte sich langsam. Miguel Matamoros schuf in den 1920er Jahren den Bolero-Son, der sich zusammen mit dem Son weiter zu dem heute bekannten Rumba-lateinamerikanischer Gesellschafts- und Turniertanz entwickelte. Der Begriff "Rumba" wurde vermutlich verwendet, da sich der Begriff "Son" damals nicht gut vermarkten ließ.

Diese neue Rumba war in der 1930er Jahren sehr populär und gelang Anfang der 1930er Jahre auch nach Europa und dort einige wenige Jahre sehr populär. Zur Zeit des Nationalsozialismus war sie dann sogar verboten. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Tanz zeitgleich in USA & England und Frankreich wieder entdeckt, so dass es heute zwei Varianten gibt, die beide im Gegensatz zur Original der 1930er Jahre vereinfacht sind.

In den Jahren 1956 bis 1963 gab es zwischen den beiden Stilen heftigen Streit, welches nun der Turniertanz werden solle (der sogenannte „Rumbakrieg“). Letztlich wurden beide Tänze zugelassen. Im internationalen Tanzsport hat sich heute die französische Variante in einer verlangsamten Form durchgesetzt, welche auch den Beinamen „kubanischer Stil“ trägt. Aber trotz des Namens hat dieser Tanz mit der afrokubanischen Rumba nichts gemeinsames! Die US-englische Variante findet man heute noch vor allem in den USA.

Eine direkte Verwandtschaft mit der afrokubanischen Rumba ist somit nicht vorhanden. Auch eine Verwandtschaft zum Cha Cha, wie man in Tanzschulen manchmal meint, ist nicht vorhanden, da dieser vom Mambo abstammt (und nicht vom Bolero).
Hier Rumba-Beispiele von Riccardo Cocchi & Yulia Zagoruychenko und eines von Oxana und Franco.

https://de.wikipedia.org/wiki/Rumba
https://de.wikipedia.org/wiki/Son_Cubano
https://de.wikipedia.org/wiki/Habanera_(Tanz)

 

3. Rumba-Flamenca

Die Rumba Flamenca (manchmal auch Rumba Gitana genannt) ist sehr alt und hat zusammen mit anderen Flamencotänzen andalusisch-maurische Ursprünge. Trotzdem gab es durch die Eroberung Südamerikas durch die spanischen Conquistadores einen gewaltigen Einfluss von dort. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von " cante de ida y vuelta" (also einem "Gesang, der "weggereist" und wieder "zurückgekehrt" ist“) bezeichnet. Die Rumba wurde also durch die zurückkehrenden Conquistadores verändert.
Hauptbestandteil der Rumba ist der Palo, welcher auch Einflüsse der in Andalusien lebenden Gitanos hat.


Das Klatschen ist einer der wichtigsten Bestandteile des Flamenco Die Akustische Gitarre, neben dem Gesang, das einzige Melodieinstrument

Jeder Palo beinhaltet mehrere verschiedene traditionellen Melodien (estilos), welche bekannte Stücke sein können und bestimmten Sängern zugeschrieben werden können oder auch komplett anonym entstanden sind. Diese Stücke wurden selten notiert und so über Generationen hinweg auch verändert. Ein Palo beschreibt also nicht unbedingt einen eigenen Stil, sondern eher die Mischung. Also gibt es auch keine strenge musiktheoretische Einteilung nach Strophenaufbau, Versform, Rhythmen oder der Epoche der Stücke. Die bekannteste Form ist im "Palo der Bulerías" zu finden. Eine Ausnahme bilden die "Fandangos", welche als Merkmal oft im 3/4 oder 6/8-Takt gesungen werden.

Sevillanas, Bestandteil des Palo, der Rumba Flamenca Las cuatros Sevillanas Rumba Flamenca

Eine komplette Übersicht über die Vielzahl an Palos findet man im unten verlinkten Wikipediaartikel.

https://de.wikipedia.org/wiki/Flamenco
https://de.wikipedia.org/wiki/Palo_(Flamenco
)

Hier noch ein paar Musik und Tanzbeispiele für eine Rumba Flamenca: Rumba Flamenca als PaartanzPaco de Lucia - Entre dos aguas, Grundschritt Rumba Flamenca, Jay & Lee. Die Musik macht echt Laune und man kann dabei nicht still sitzen. 

Soweit zur Unterscheidung der Rumbaarten. Für mich als Tänzer ist eigentlich nur die afrokubanische Rumba interessant, wobei ich bei einer Rumba-Flamenca immer gern zusehe und auch die antreibende Musik super finde.
Bleibt noch die Erklärung der Begriffe Timba und Mambo, aber das würde den Artikel sprengen. Ich werde dazu im Sommer zwei neue Artikel erstellen.
Wer es nicht abwarten kann, kann sich ja schon Mal bei Wikipedia einlesen :-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Timba_%28Musikstil%29
https://de.wikipedia.org/wiki/Montuno

Beenden möchte ich diesen Artikel mit einer sehr häufig zu findenden Aussage der Rumberos, die das Lebensgefühl der afrokubanischen Rumba beschreibt:

La Rumba no para!

Die Rumba endet nicht!

 

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